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Wilde Maus

Filmposter

Inhalt

Als seit Jahrzehnten etablierter Musikkritiker, der für das Feuilleton einer Wiener Zeitung schreibt, ist Georg der Ansicht, dass man ihn gefälligst zuvorkommend behandeln sollte – schließlich ist er ein König auf seinem Gebiet! Doch plötzlich ist seine Zeit gekommen und er wird von seinem Chef aufgrund von Sparmaßnahmen gekündigt. Seiner Frau Johanna erzählt er von der jüngsten Entwicklung noch nichts, aber die ist ohnehin nur damit beschäftigt, den nächsten Eisprung abzuwarten und den Kinderwunsch möglichst in die Tat umzusetzen. Georg sinnt indes lieber auf Rache und findet in seinem ehemaligen Mitschüler Erich einen Komplizen. Georgs nächtliche Rachefeldzüge fangen mit kleinen Sachbeschädigungen an, doch schnell steigern sie sich zum ausgewachsenen Terror, der sein Leben bald völlig durcheinanderbringt…

Kritik von Filmbesprechung.at

Die folgende Rezension wurde uns dankenswerter Weise von literaturoutdoors.wordpress.com zur Verfügung gestellt.

Da ist eine Winterlandschaft. Tiefverschneit, starr, stumm und leblos. Und da hockt ein nackter Mann mit einer Flasche Whiskey. Doch sein Alleinsein wird entdeckt und nun läuft er durch den Schnee. Und nun ist wieder jemand hinter ihm her. Zwar um den Lebensmüden in guter Absicht zu retten aber trotzdem. Er läuft wieder davon. In erster Linie vor seinem Leben. Vor seiner inneren Starre und Stummheit. Vor der Winterlandschaft in ihm, die keine Jahreszeiten in Freude und Glück mehr kennt. Beruf und Beziehung. Ruhelos und voller Druck. Und eigentlich war das schon immer so. Seit der Kindheit, der Schulzeit. Viel zu viel kalter schwerer Schnee, in dem die Schritte so schwer fallen. Viel zu viel stumme Landschaft um ihm, zu und in die er keinen Weg findet. Er bleibt im Tiefschnee stecken. Schon immer. Müde und erschöpft vom Leben. Und er läuft, nackt, bis zum nächsten Fall…

Der Film „Wilde Maus“ ist die erste Regiearbeit des Kabarettisten und Schauspielers Josef Hader und er legt ein fulminantes existentielles Drama mit Tragik, Sinn und unverwechselbarer Ironie vor. Der Musikkritiker Georg, gespielt von Hader selbst, gerät in eine berufliche Sackgasse. Dies ist auch irgendwie ein Spiegelbild seiner Beziehung zu Johanna (hervorragend Pia Hierzegger), die sich unbedingt ein Kind wünscht, was den Mittfünziger Georg heillos überfordert. Dann kommt auch noch die Kündigung und jetzt sitzt er in der Liliputbahn im Prater, fährt im Kreis und sinnt auf Rache am Chef. Doch der Fluchtweg des Lebens ist immer eine Einbahnstraße, in der Dein Auto in der falschen Richtung steht. Es ist wie eine Hochschaubahn („Wilde Maus“) im Prater mit fulminanter Abendstimmung in der Höhe und rasantem Absturz in die Tiefe. Es ist wie ein Traum vom eigenen Haus mit gesammelten Pflastersteinen in der Wohnung. Das Leben ist dem Ziel immer einen (Ausfalls-) Schritt vor…und Du sitzt im Schnee. Immer. Irgendwo.

Und doch kann es ein Licht geben…Als Georg, zurück aus den Bergen, nackt im Auto des Freundes sitzt, blickt er endlich offen seiner Welt ins Gesicht. Johanna bietet ihm Socken und Hose, wenn er endlich ehrlich antwortet. Und Georg… Doch, sehen selbst. Absolut sehenswert!

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